Vom MTB-Hardtail zum Gravel-Zombie
Mein Giant Talon habe ich Ende 2017 gekauft und bin es bis 2022 hauptsächlich zum Pendeln, gelegentliche kurzen Ausfahrten (< 50 km) und auf leichten Single Trails gefahren. Nach rund 5.000 km, auch in Winter bei Schnee & Salz, war eine Generalüberholung fällig. Was liegt da näher als ein Umbau zum Gravelbike. Sollte ja nicht weiter schwierig sein, Schalt-/Bremshebel, Dropbar-Lenker und fertig ist das Ding!
Wie naiv meine Gedanken doch waren, stellte sich schnell heraus.
Was macht ein Gravelbike aus?
So ziemlich jeder hat eine andere Vorstellung davon was ein Gravelbike ausmacht und wo es wie gefahren wird. In meinen Beratungsgesprächen merke ich immer wieder, dass es viel ausmacht ob jemand vom Rennrad- oder Mountainbike kommt.
Klar ist, dass erst mit Einzug der Scheibebremse deutlich mehr Reifenfreiheit möglich wurde und nun sportliche Räder auch super auf Schotter, Trails unterwegs sein können. Millterweile differenziert sich das Gravelbike aber schon wieder soweit auseinander – vom Race-Gravel bishin zu Fully-Dropbar-MTB – das es schon wieder unübersichtlich wird.
Für mich ermöglicht das Gravelbike die Freiheit schnell lange Distanzen auf verschiedensten Untergründen zu fahren.
Status Quo: Meine Problemstellen
Erst bei der Komponenten-Recherche wurde mir klar, dass der Umbau nicht so einfach würde. Anfangs hatte ich einen günstigen Rennrad-Antrieb (105-Gruppe) im Blick, stellte aber fest, dass alle Rennrad-Kurbeln eine Tretlagerbreite von 68 oder 70 mm benötigen. Der Standard bei MTBs ist allerdings 73 mm. Als Ergebnis landete ich dann bei der größten Alivio-Kurbel (FC-T4060) mit 26, 36 und 48 Zähnen. Ein dreifach-Kurbelset musste sein, da die Kettenstrebe nicht wirklich Platz ließ für einen sinnvolles zweifach- oder gar einfach-Kurbelset.
Besonders ärgerte ich mich über den Achsstandard vom Talon (Schnellspanner). Zu gerne würde ich moderne Gravel-Laufradsätze tubeless fahren (Steckachse erforderlich).
Weiterhin ist grundsätzlich die MTB Geometrie nicht so sportlich wie ich es will und zweitens der Rahmen mit Größe L eigentlich auch eine Nummer zu groß für mich. Hier musste ich also eine Vorbau-Lösung finden, welche mich in die gewünschte Richtung bringt.
Komponenten Details
- Kurbel:
3-fach (48-36-26) 170mm (anfangs)
3-fach (40-30-20) 170 mm (aktuell) - Kassette:
9-fach 11-36 - Bemsen:
mechanische Bremsen (anfangs)
semi-hydraulische Bremsen v. TRP - Vorbau:
– 28° 70mm (anfangs)
+ 7° 60mm (aktuell) - Federgabel:
Stahlfeder 30mm (anfangs)
Rockshox 32 mm (aktuell) - Laufräder:
ursprünglicher Laufradsatz, nun
Sonderfertigung „27.5 30mm Maulweite, tubeless
Mit einem -28° Vorbau sah es letztlich recht wild aus. Die konsequente Fortführung der Lackierung (v.a. blau & rot) bei der Komponeten sorgt auch heute noch für schmunzelnde Gesichter.
Gravel-Zombie als Eintrittskarte
Nun umgebaut wuchs sehr schnell meine Interesse an der Gravel-Szene und längeren Ausfahrten. Wie der aggressive -28 ° Vorbau vermuten lässt war meine Position auf dem Bike auf Dauer ungeeignet. Ein Bike-Fitting musste also her.
Wieder mal durch Zufall stieß ich auf den Fahrradladen, bei dem wir das erste Rad für unsere Tochter gekauft hatten. Ganz unverblühmt fragte ich Hias nach dem Fitting, ob sie noch einen Mechaniker brauchen.
Was im Sommer 2022 mit einer zufälligen Abendausfahrt begann, über verrückte Umbau-Ideen wucherte, endete im Winter 2022 mit einem neuen Job als Fahrrad-Mechnaiker bei Fahrbar-Bikes in Kaufbeuren.







